Wie verhalten sich die Parlamentarier der Schweiz auf Twitter?

Twitter und Politik

Wenn es darum geht, politische Interessen zu vertreten, sollte man sich stets gut überlegen, wie man mit dem Medium Twitter umgeht. Es gibt aber viele Politiker, die soziale Medien äusserst erfolgreich nutzen - sehr zur Freude der Wähler die einen direkten Draht zu den Politikern suchen, um über die persönlich wichtigen Themen zu diskutieren. Aus diesem Grund wurde im Rahmen einer Masterarbeit an der FHNW sämtlichen Schweizer Parlamentariern bei jedem Tweet etwas auf die Finger geschaut. Zum Einsatz kam ein neuartiges Verfahren zur mehrsprachigen Analyse von Tweets. Dieses ermöglicht nicht nur die Bestimmung der wichtigen Themen in den Tweets (wie z.B. "Bankgeheimnis"), sondern auch eine Abschätzung ob eher positiv oder negativ bei einem solchen Thema gesprochen wurde, unabhängig davon ob in Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch getwittert wurde.

Die Ergebnisse sind hier und auf der Parteien Seite zusammengefasst und mit der interaktiven Analyse können eigene Untersuchungen durchgeführt werden.

Wichtigste Fakten

Analyse nach Parteien und Sentiment

Aktivität:

Bei der Verteilung der Twitteraccounts auf die Parteien zeigt sich ein klares Bild: SP, FDP und CVP haben viele aktive Twitternutzer, während sich bei der SVP und BDP weniger Personen mit einem Twitter Account finden lassen. Die Parteien unterscheiden sich aber auch in den Themen, die besprochen werden und auch im Tonfall. Es zeigt sich, dass sämtliche Parlamentarier ihren Twitteraccount überwiegend dazu nutzen, politische Themen anzusprechen. Lediglich die aktiveren Nutzer schreiben auch ab und zu mal etwas über das Ergebnis eines Fussballspiels oder ähnliches. Bei wichtigen Abstimmungen steigt jedoch die Aktivität im gesamten Parlament an, während in der Sommerpause deutlich weniger getwittert wird.

Tweets pro Partei und Monat

Eine Übersicht der Politiker mit hoher Aktivität auf Twitter findet sich auf der Parteien Seite. Ebenso lässt sich dort vergleichen, welche Themen die einzelnen Parteien in ihren Tweets besonders oft ansprechen, was sich auch gerade mit der jeweils eingebundenen Twitter-Timeline zu jeder Partei einsehen lässt.

Sentiment:

Auch auf Twitter werden die verschiedenen Meinungen der Politiker zu wichtigen Themen schnell ersichtlich. Aber die Parteien unterscheiden sich durchaus auch im gewählten Tonfall. Betrachtet man das ganze Parlament, so sind ca. 18% der Tweets sehr einfach als positiv einzuordnen und ca. 15% als negativ. Die Grundstimmung im Parlament ist also eher positiv, auch wenn ein leichter Trend zu mehr negativen Meldungen im letzten Jahr ersichtlich ist.

Verglichen mit der Gesamtmenge an Tweets pro Partei stammen die meisten positiven Meldungen von der CVP, FDP und SVP, mit jeweils ca. 20% klar als positiv einzuordnenden und 12-13% negativen Tweets. Bei der BDP ist es umgekehrt, dort sind es gerade mal 13% positive Meldungen und dafür ganze 17% negative. Bei der SP hingegen halten sich positive und negative Meldungen in etwa die Waage.

Verteilung der positiven und negativen Tweets der Parteien

Themen:

Bei der Analyse der wichtigen Themen, über welche auf Twitter gesprochen wird, gibt es relativ wenig Überraschungen. Bei der CVP wurde beispielsweise sehr oft der #Familienartikel erwähnt, hauptsächlich mit positiven Tweets. Bei der SVP finden sich sehr viele Tweets zur eigenen Partei, aber auch National- und Bundesrat werden sehr oft erwähnt. Bei den Tweets der SP gibt es sehr viele Erwähnungen zum Thema Minder und Abzockerinitiative. Die FDP schreibt auffällig oft über das Thema Frauen und die Grünen beschäftigt das Thema Netzneutralität und Atomstrom. Das Raumplanungsgesetz wird bei den Grünliberalen angesprochen.

Um die einzelnen Parteien und ihre Themen etwas genauer auszuleuchten, lassen sich bei der interaktiven Analyse zu jeder Partei eine Wortwolke bilden, bestehend aus den wichtigsten Kernthemen ihrer Tweets.

Übersicht:

Parlament visualisiert

Auf der Abbildung ist die Sitzordnung des Nationalrates, zusammen mit dem Ständerat in der hintersten Reihe dargestellt. Die ausgefüllten Kreise geben jeweils einen aktiven Twitteraccount an, wobei die Farbe für das durchschnittliche Sentiment der Tweets dieser Person steht. Je Grüner, umso häufiger werden positive Meldungen getwittert, je röter umso häufiger werden negative Tweets geschrieben. Je grösser der Kreis, desto aktiver wird Twitter von dieser Person genutzt.

Analysieren Sie selber

Sie können auf der Seite Interaktive Analyse selber ausprobieren, was im Parlament über Ihr persönliches Anliegen gesprochen wird. Benötigt wird aktivierte Javascript Unterstützung ihres Browsers und ein aktuelles Java-Plugin.

 

n|w Fachhochschule Nordwestschweiz